Welcher Traum ist gemeint? Kurze Gedanken zu „Requiem for a Dream“

Requiem for a Dream ist einer der fürchterlichsten Filme aller Zeiten. Läuft der Abspann über die Leinwand, so wünscht man sich sich nichts mehr, als die claustophobische Enge der vier Kinowände verlassen zu können und Augen und Geist dem eben Gesehenen nie wieder aussetzen zu müssen. Zugleich ist Requiem for a Dream ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk der Filmkunst.

Die unfassbare Intensivität und Akteurszentriertheit der Kameraführung, das furchtbar rasende Pacing, mit die beeindruckensten Montagen der Filmhistorie. Aronofsky schafft es hier die Alleinstellungsmerkmale der Kunstform des Films nicht nur zu kennen, sondern sie gleichzeitig in neue Grenzen zu verpflanzen. Ein Film wie eine Sinfonie, „Lux Aeterna“ wabert immer irgendwo zwischen Vorder- und Hintergrund, am Ende ein Crescendo, dass nicht nur die Träume unserer Protagonisten, sondern den American Dream an sich begräbt.

Wir sehen mehr als ein Film über Sucht und ihre inhärenten Konsequenzen. Aranofsky zeigt uns eine Gesellschaft in einer entwurzelnden kapitalistischen Realität. Wir irren durch die Schattenseiten des „Big Apples“, hier scheint nichts ferner zu sein, als der schlipstragende Glamour der Wall Street. Ihr auszerrender kapitalistischer Ehrgeiz endet für Tyrone und Harry schlimmstmöglich, ein Fernseher diktiert Sara die Grenzen ihrer kosumistischen Träume, Marion sorgt für das einzige Fenster in die oberen paar Prozent, das grauenhafter nicht visualisiert sein könnte. In dieser Welt ist kein Platz für Träume jedwiger Art. Sie zu Grabe zu tragen erscheint nur konsequent.

Nie wieder möchte ich Requiem for a Dream sehen. Gestern war mein 6. Mal.