Predator (1987, R: J. McTiernan) KRITIK

Als kultig wird gerne etwas bezeichnet, das im Grunde schlecht gealtert ist. Der Kultfilm kann oft nur durch die Brille der Nostalgie seine Wirkung entfalten, da er visuell sowie im Narrativ nicht mehr mit der Gegenwart kommunizieren kann. Folgt man dieser Idee, ist Predator eines mitnichten: Ein Kultfilm.

Vielmehr sehen wir einen zeitlosen Action-Klassiker. Wunderbar choreografierte Actionsequenzen, eine Kameraführung, die brilliant ist in ihrer Zweckdienlichkeit, einer der ikonischen Antagonisten der Filmhistorie. Auf wundersame Weise schafft es John McTiernan all das ganz ohne die Cutting-Orgien moderner Genre-Filme zu präsentieren. Wir sehen Arnold Schwarzenegger in seiner vielleicht besten Rolle und sollten dennoch auch seine Mitstreiter ehren. Besonders der fantastische Carl Weathers sticht als Veteran und CIA-Mann mit Gewissensbissen hervor. Wer nun aber in Predator lediglich einen vielleicht unterhaltsamen, aber tendenziell geistlosen Action-Streifen erkennt, der folgt einer falschen Fährte.

Natürlich sehen wir hier einen Film, der den Vietnam-Krieg verarbeitet. Der direkte Bezug ist nicht nur durch die Erfahrungen der Protagonisten, sondern ebenso durch die Kulisse des undurchdringlichen Dschungels stets gegeben. Die Entscheidung den Film nicht direkt im Krieg spielen zu lassen, sondern ihn nur zu referenzieren, ist durchaus ein kluge. Die Konfliktsituation wird universalisierbar und dem Zugriff einer bestimmten Zeit sowie eines bestimmten Ortes entzogen.

Doch was sehen wir eigentlich? Wir sehen einen Konflikt, der nicht mehr der klassischen Konstellation eines Krieges entspricht. Der Predator ist kein Staatsvertreter, niemand mit verhandelt werden kann, jemand, mit dem Frieden unmöglich scheint. Guerilla-Kriegsführung lässt keine Angesicht-zu-Angesicht-Konfronation mehr zu. Das Wesen des Krieges war verändert, John McTiernan hat dies erkannt.

Betrachten wir die Auseinandersetzungen unserer Zeit, wird deutlich, dass derlei asymmetrische Konstallationen die Fiktion schon lange nicht mehr benötigen. Auch im Krieg gegen den Terror ist der Feind kein Mensch, dem auf Augenhöhe begegnet werden könnte, mit dem ein Friedensschluss möglich scheint. Es findet eine Entmenschlichung statt, die letztlich jedes Mittel, sogar Folter, legitim erscheinen lässt.

Schauen wir Predator, sehen wir einen fantastischem Action-Film. Doch ebenso sehen wir einen brillianten Kommentar auf die Verschiebung der Konfliktlinien zur Asymmetrie. Ein Film, der uns auch heute noch einiges über unsere Gegenwart zu berichten weiß.