There Will Be Blood (2007, R: P.T. Anderson) KRITIK

Das Visuelle, das die Sinne hier umgarnt, ist wahrlich umwerfend. Wir sehen. Wir sehen fantastische One-Takes, einen beängstigenden Daniel Day-Lewis, der vom meisterhaften Paul Dano sogar noch übertroffen wird, und eine Cinematografie, die epochal daherkommt. Zwar ist die bloße Idee, dass wenige Cuts die Bedeutung eines jeden einzelnen von ihnen steigern für gewöhnlich akzeptiert, There Will Be Blood zeigt jedoch noch einmal mehr als eindrücklich, warum dem so ist. Wir hören. Wir hören die erdrückenden Kompositionen Jonny Greenwoods, die uns in sprachlosen 15 einleitenden Minuten gefangen nehmen und erst mit dem Abspann wieder auspucken.  Dank famoser Protagonisten erleben wir in all dieser Bildgewalt einen intensiven psychologischen Kampf, der aber dennoch nur Projektionsfläche für den größeren […]

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Coffy (1973, R: J. Hill) KRITIK

Viel von dem, was Tarantino letztlich perfektionierte, kündigte das Blaxploitation-Kino von Jack Hill bereits an. Coole Charaktere, noch coolere Dialoge, ästhetisierte Gewalt und eine progressive Gesellschaftskritik. Ein unglaublich gut funktionierender Cocktail, serviert von der großartigen Pam Grier mit Schrottfilnte in der Hand und Rasierklingen im Haar. Die Titelgebende Heldin ist ein wunderbar geschriebener weiblicher Charakter, dem keine zehn Wonder Woman auch nur annährend das Wasser reichen könnten. Als der perfekte Spagat zwischen vor Stärke triefender Coolness und verunsicherter Verletzlichkeit, der sie ist, sagt sie dem System, dass ihre kleine Schwester in die Suchtklinik brachte, den bleitriefenden Kampf an. Nach und nach werden die Respräsentaten einer Ordnung, in der Unternehmer, Polizisten und Politiker gleichermaßen von nichts anderem […]

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Requiem for a Dream (2000, R: D. Aronofsky) KRITIK

Requiem for a Dream ist einer der fürchterlichsten Filme aller Zeiten. Läuft der Abspann über die Leinwand, so wünscht man sich sich nichts mehr, als die claustophobische Enge der vier Kinowände verlassen zu können und Augen und Geist dem eben Gesehenen nie wieder aussetzen zu müssen. Zugleich ist Requiem for a Dream ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk der Filmkunst. Die unfassbare Intensivität und Akteurszentriertheit der Kameraführung, das furchtbar rasende Pacing, mit die beeindruckensten Montagen der Filmhistorie. Aronofsky schafft es hier die Alleinstellungsmerkmale der Kunstform des Films nicht nur zu kennen, sondern sie gleichzeitig in neue Grenzen zu verpflanzen. Ein Film wie eine Sinfonie, „Lux Aeterna“ wabert immer irgendwo zwischen Vorder- und Hintergrund, am Ende ein Crescendo, […]

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A Quite Place (2018, J. Krasinski) KRITIK

A Quite Place – A Bad Film. 3.8 Sternchen im Letterboxd-Mittel? Nein, das scheint mir doch ganz und gar unverständlich. Klar, handwerklich ist das alles solide bis gut. Gute Kameraarbeit, gute Cinematografie, eine wie immer tolle Emily Blunt, bla bla bla. Abgesehen davon, dass man ähnliches über so ziemlich jeden Film eines unüberschaubar großen und stetig wachsenen Mount Everest von mittemäßiger Kinokunst berichten könnte, war „handwerklich gut gemacht“ noch nie ein Kompliment. Und es wird auch nie eines sein. Selbst die feige Kritik, die sich im Normalfall in dem Unwort „interessant“ äußerst, ist da noch Vorzuziehen. Ja, eine leichte Entnervtheit möchte der Verfasser dieser Kritik nicht verleugnen. Doch so sieht es nunmal aus: Mittelmäßigkeit nervt. […]

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Forrest Gump (1994, R: R. Zemeckis) KRITIK

Wie lachen mit ihm. Wir weinen mit ihm. Wir freuen uns mit ihm. Wir trauern mit ihm. Wohl kaum eine Filmfigur teilt ihren Lebens- und leidensweg mit einer dermaßen großen, entausiatischen Masse an Kinobegeisterten, wie der minder intelligente, aber – so vermittelt man uns hier zumindest – durchweg lebenkluge Forrest Gump. Zu Grundschulzeiten sitze ich mit meiner Mutter auf dem Sofa und sehe Ltd. Dan auf dem Mast dem Sturm trotzen. Bubbas Schrimpskochrezitation ist im Alter von 17 Jahren der kleinste gemeinsame Nenner auf den sich führeife Dude-Zitierer („ja…weißt du…das ist vielleicht…deine Meinung, Mann!“) und auf ewig verlorene Transformers-Fetischisten gleichermaßen einigen können. Und wenn man mit Mitte 20 mehr oder weniger verzweifelt in der Quarterlife Crisis […]

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