Keanu Reeves‘ Gesicht: „Gefährliche Brandung“, Projektionsflächen und die Alternativlosigkeit

Point Break ist ein wunderbar inszenierter Film, der mit seinem ungewöhnlichen Setting, perfekt besetzten Rollen und großartig gefilmten Actionchoreographien vollkommen zurecht als Genreklassiker verehrt wird. Die Fallschirmsprünge, die Razzia, die Surfszenen – jede Sequenz zeigt vor allem eines: Kathrin Biglow ist eine Meisterin ihres Fachs. Und doch sehen wir noch mehr, als einen gekonnt inszenierten Actionfilm. Point Break ist eine kluge Parabel auf den Platz von Außenseitertum, Subversion und Alternativen in einer Welt der kapitalistischen Normierung. Mit Johnny Utha wird uns ein Protagonist gezeigt, der Teil des schmalen Spielraums der gesellschafltichen Normalität ist. Niemand könnte jene Rolle besser ausfüllen als Keanu Reves. Ein großer Charakterdarsteller wird er in diesem Leben gewiss nicht mehr, als Projektionsfläche für […]

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Fitzcarraldo (1982, R: W. Herzog) KRITIK

Fitzcarraldo ist dank einem nicht wirklich wirklich gelungenem ersten Drittel, das durch ein nicht immer geglücktes Pacing leider merklich zu lang geraten ist, keineswegs perfekt. Und doch sehen wir einen ganz wunderbaren Film über den Konflikt zwischen den Fantasmen eines Träumers und dessen ewigem Antagonisten, der schwermütigen Realität. Darüber hinaus gelingt es Werner Herzog, einen der zentralen Gegensätze unserer Gegenwart gekonnt und klug zu inszenieren: Wir und die Anderen. Die Indianer, die Anderen, werden hier auf eine Weise gezeigt, wie man sie selten im Kino erlebt. Sie dienen nicht als Projektionsflächen für die moralische Aufarbeitung westlicher Kolonialismuserfahrungen und somit letztendlich nur als Objekte. Indianer sind hier keine Unschuldsfantasien, die moralisch unendlich gut sind und all das […]

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Predator (1987, R: J. McTiernan) KRITIK

Als kultig wird gerne etwas bezeichnet, das im Grunde schlecht gealtert ist. Der Kultfilm kann oft nur durch die Brille der Nostalgie seine Wirkung entfalten, da er visuell sowie im Narrativ nicht mehr mit der Gegenwart kommunizieren kann. Folgt man dieser Idee, ist Predator eines mitnichten: Ein Kultfilm. Vielmehr sehen wir einen zeitlosen Action-Klassiker. Wunderbar choreografierte Actionsequenzen, eine Kameraführung, die brilliant ist in ihrer Zweckdienlichkeit, einer der ikonischen Antagonisten der Filmhistorie. Auf wundersame Weise schafft es John McTiernan all das ganz ohne die Cutting-Orgien moderner Genre-Filme zu präsentieren. Wir sehen Arnold Schwarzenegger in seiner vielleicht besten Rolle und sollten dennoch auch seine Mitstreiter ehren. Besonders der fantastische Carl Weathers sticht als Veteran und CIA-Mann mit Gewissensbissen […]

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There Will Be Blood (2007, R: P.T. Anderson) KRITIK

Das Visuelle, das die Sinne hier umgarnt, ist wahrlich umwerfend. Wir sehen. Wir sehen fantastische One-Takes, einen beängstigenden Daniel Day-Lewis, der vom meisterhaften Paul Dano sogar noch übertroffen wird, und eine Cinematografie, die epochal daherkommt. Zwar ist die bloße Idee, dass wenige Cuts die Bedeutung eines jeden einzelnen von ihnen steigern für gewöhnlich akzeptiert, There Will Be Blood zeigt jedoch noch einmal mehr als eindrücklich, warum dem so ist. Wir hören. Wir hören die erdrückenden Kompositionen Jonny Greenwoods, die uns in sprachlosen 15 einleitenden Minuten gefangen nehmen und erst mit dem Abspann wieder auspucken.  Dank famoser Protagonisten erleben wir in all dieser Bildgewalt einen intensiven psychologischen Kampf, der aber dennoch nur Projektionsfläche für den größeren […]

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„Coffy“ oder: Emanzipation im Blaxploitation-Kino. Shotguns gegen das System.

Viel von dem, was Tarantino letztlich perfektionierte, kündigte das Blaxploitation-Kino von Jack Hill bereits an. Coole Charaktere, noch coolere Dialoge, ästhetisierte Gewalt und eine progressive Gesellschaftskritik. Ein unglaublich gut funktionierender Cocktail, serviert von der großartigen Pam Grier mit Schrottfilnte in der Hand und Rasierklingen im Haar. Die Titelgebende Heldin ist ein wunderbar geschriebener weiblicher Charakter, dem keine zehn Wonder Woman auch nur annährend das Wasser reichen könnten. Als der perfekte Spagat zwischen vor Stärke triefender Coolness und verunsicherter Verletzlichkeit, der sie ist, sagt sie dem System, dass ihre kleine Schwester in die Suchtklinik brachte, den bleitriefenden Kampf an. Nach und nach werden die Respräsentaten einer Ordnung, in der Unternehmer, Polizisten und Politiker gleichermaßen von nichts anderem […]

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