Silence (2017, R: M. Scorsese) KRITIK

Wir streichen den Kitsch. Wir streichen die Romantik. Wir streichen eine künstliche Dramatik. Wir streichen all die dahinwabernde Filmmusik, die uns anleitet, in dem was wir fühlen sollen. Wir streichen die artifiziellen One-Takes und das zeitgenössische Kunst-sein-wollen und nicht Kunst-sein gleich mit. Wir bekommen Silence. Einen großen Film, der an der 3-Stundenmarke kratzt und thematisch doch auf Wesentliches reduziert daherkommt. Zweifelsfrei sehen wir eines der großen Werke dieser Dekade. Zunächst bestätigt Silence das, was längst bekannt war: Martin Scorsese ist ein Meister der Kinokunst. Einer der letzten Vertreter der langsam im cineastischen Hintergrund verblassenden Autorenfilmer. In einer serialisierten Mulitplex-Landschaft, in der Regisseure ihr am Recht am Final Cut an Disney-Oligarchen veräußern müssen und wir uns […]

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Booksmart (2019, R: O. Wilde) KRITIK

Zunächst sei Folgendes festzuhalten: Booksmart ist eine schlechte Kopie von Superbad. Und nein, auf die fantastische Tarantino-Remix-Art, die ihren Vorbildern stets ihren Tribut zollt, sie aber nie kopiert, ist dies nicht gemeint. Hauptcharaktere, Setting, Grundnarrativ und teilweise sogar komplette Plot-Points wurden hier 1-zu-1 und ohne Humor oder Augenzwinkern übernommen. Bei einem asiatischen Film könnten an dieser Stelle die guten, alten „Chinesische-Kopie“-Witze präsentiert werden, wären sie nur nicht so verdammt rassistisch. Da Superbad jedoch eine fantastische Komödie ist, könnte eine billige Kopie zumindest einen noch annehmbaren Film ergeben. Booksmart ist dies nicht. Hier wird wirklich (fast) alles aufgeboten, das der aktuelle „liberale“ Hollywood-Zeitgeist zu bieten hat. Zwischen funktionierenden Unisex-Toiletten, in denen im Grunde genommen alle cool miteinander […]

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Joker (2019, R: T. Phillips) KRITIK

Zunächst sei gesagt: Die Art von Kritik, die dem Film aus einer pädagogischen Perspektive vorwirft, gesellschaftlich verantwortungslos zu sein, läuft selbstverständlich – wie immer – ins Leere. Ein Echauffieren aus dieser Richtung zeugt primär davon, dass der Kritiker selbst ein äußerst naives, doofes Verständnis von Kunst hat und die Funktionsweise von Subversivität und Ideologiekritik vermutlich nie durschauen konnte. Liegen die Claqueure in all ihrer Überschwänglichkeit also richtig? Nicht wirklich. Wir sehen einen guten Film, der jedoch weit davon entfernt ist, ein echtes Meisterstück zu sein. Ausschlaggeben dafür, ob eine Verfilmung des Stoffs gelingt oder nicht, ist die Frage, inwiefern die Figur des Jokers tatsächlich verstanden wird. Zu vermeiden galt es, jenen als einen individuellen Fehler, eine […]

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Midsommar (2019, R: A. Aster) KRITIK

Die Art und Weise, in der Ari Aster in der um Superlative nie verlegenen Kritikerwelt aktuell zum neuen Hohepriester des Horrorgenres geweiht wird, ist sicherlich ein wenig übertrieben und doch: Begeisterungsstürme sind angemessen. Wurde in Hereditary noch die Familie auf den Prüfstand gestellt, rückt nun – wie vielfach bereits interpretiert wurde – die Idee der Beziehung und ihre psychologischen Implikationen in den Vordergrund. Wir sehen ein Film über Dani – herausragend verkörpert von Florence Pugh – die traumatisiert ist, die, egal wie schlecht sich alle anderen verhalten, die Schuld immer bei sich selbst sucht. Sie ist in einer Beziehung mit einer Person, die nicht böse, aber unsensibel und ausnutzend ist. Eine psychologisch oft schwer zu […]

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Gravity (2013, R: A. Cuarón) KRITIK

Enttäuschend. Müsste man dieses Werk, das im Oevre des Regisseurs auf seinen besten Film und allgemein eines der großen Meisterwerke der 2000er folgt, auf ein Wort reduzieren, wäre es wohl dieses. Was war Children of Men doch für ein atemberaubend inszeniertes, mit perfektem Pacing gesegnetes, gesellschaftspolitisches Science-Fiction-Monument. Und was ist nun diese ethnokitschige Space-Soap-Opera im Kontrast dazu. Wo zuvor auf fantastische, kluge Weise Ideologiekritik geübt wurde, verkommt die Katastrophe in Gravity nun zum spirituell angehauchten Traumabewältigungsvehikel . Finden kann Sandra Bullock hier nur noch sich selbst, für den Zuschauer jedoch bleibt nichts von Substanz übrig. Doch zunächst: Ja, es stimmt. Dieser Film sieht wirklich unfassbar großartig aus. Die Weite des Raums, die allein dadurch gestört wird, […]

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