Kurze Anmerkungen zur Sprengkraft des Kinos: Tarantinos „Inglourious Basterds“

Zum Boykott aufrufende Kunstverächter gegen die Fanfaren der Reaktionären, die daraufhin zum Feldzug gegen den Strohmann einer um sich greifenden Political Correctness aufriefen. Einzig interessant an der ansonsten ermüdenden Debatte um Todd Phillips Joker-Verfilmung aus dem letzten Jahr war das Unbewusste, dass den Konflikt begleitete: Die Annahme, dass der Film scheinbar noch immer eine Art von Macht innewohnt. Dass der Zustand der Leinwand, vielleicht der Kunst allgemein immer auch von der Gesundheit einer Gesellschaft spricht.

Es ist diese dem Kino innewohnende Macht, die Tarantino rund ein Jahrzehnt zuvor zum Thema von Inglourious Basterds machte. Zum einen ist da ganz direkt die Kraft der Bilder als Machtinstrument im Propaganda-Instrumentarium der Deutschen. Des Kinos, das als Brandbeschleuniger, als pure Ideologiemaschine des Nationalsozialismus dient. Andererseits zeigt Tarantino auf der Metaebene die Sprengkraft des Films überhaupt. Auf Nitrofilm gebannte Bilder verbrennen Nazis. Es ist eine der stärksten Metaphern der jüngeren Kinogeschichte. Reibt sich Mélanie Laurent ihr Rouge wie eine Kriegsbemalung auf die Wangen, ist es nicht nur die emanzipierte Jüdin, die sich zum Wiederstand gegen ihre Unterdrücker rüstet, es ist der Ausdruck eines antifaschistischen Kampfes überhaupt.

Tarantino ist dabei nie naiv. Im Gegensatz zu so vielen Filmkritikern weiß er: Das Kino ist kein magischer Ort und niemals unpolitisch. Es ist eine potenzielle Waffe, deren moralische Stoßrichtung von der Haltung ihrer Träger abhängt. Mit der Figur Frederick Zollers stirbt das rechte Kino zum Schluss seinen symbolischen Tod. Ein Triumph des Antifaschismus, dem auch wir uns in einer mit jedem Tag düsterer werdenden Realität wieder verschreiben müssen. Inglourious Basterds fordert: Sprengt die IMAX-Paläste, damit das Kino wieder atmen kann. Doch wer wird antworten?