„Falling Down“: Warum Idelogiekritik?

Falling Down ist ein unterschätzter Film – handwerklich großartig, inhaltlich brilliant. Wir sehen Michael Douglas in seiner besten Rolle: Ein relativer Durchschnittstyp, kurz vor der Explosion. Irgendetwas stimmt nicht. Seine Familie darf er nicht mehr sehen, in seinem Job wird er nicht wertgeschätzt, die Versprechen des amerikanischen Traums werden schon lange nicht mehr eingelöst. Joel Schuhmacher zeigt uns einen Menschen, der das eigene Abrutschen bemerkt, nicht aber in der Lage ist, die strukturellen Ursachen dafür sehen. Seine Wut schlägt stattdessen stets nach unten aus.

In einem der ersten Wegpunkte des Films sehen wir den Protagonisten, William Foster, einen Kiosk betreten. Er möchte Geld wechseln, um seine Tochter anzurufen. Der Ladenbesitzer jedoch verweigert ihm dies. Zuerst müsse er etwas kaufen. Ein bezeichnende Szene. Während Foster wütender und wütender wird und handelt, bemerkt er nicht, dass der Verkäufer und er nur zwei Seiten der gleichen Medaille darstellen. Er pocht auf seine Rechte als Konsument, der Verkäufer braucht Geld, um sein eigenes Überleben im Kapitalismus zu sichern. Doch der Konflikt wird im Privaten ausgetragen, die systemische Ursache benennt hier niemand.

Doch Foster ist keineswegs allein. Sein Antagonist im Film, Detective Prendergast, ist überhaupt keiner. Auch er wird Stück für Stück von einer menschenverachtenden Welt verschluckt. Seine Frau ist depressiv, seinen Job möchte er daher aufgeben. Und dennoch wird er bis zum letzten Tag von seinem Chef drangsaliert, durch die geißende Hitze der Stadt gescheucht, niemals wertgeschätzt. Schaut man genauer hin, erkennt man: Eigentlich sind Foster und Prendergast gespiegelt. Lediglich der Ausbruch bleibt Letzterem verwehrt.

Zu häufig wird Falling Down nachgesagt, er propagiere im Grunde genommen eine Art rassistisches Denken. In dieser Lesart sehen wir einen weißen Mann der bürgerlichen Mittelschicht, der die Anderen – meistens Ausländer – dafür verachtet, dass sie sich nicht so verhalten, wie er es wünscht. Schlimmer missverstehen könnte man einen Film wohl kaum. In einer Gegenwart des Rechtsrucks, der populistischen Ideotie, sollten wir genau hinschauen, wenn der abgehängte Michael Douglas dem überzeugten Rassisten, der sich mit ihm verbrüdern möchte, in Gesicht hält: „Ich bin Amerikaner und sie nur ein krankes Arschloch!“ Jene Szene sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, wenn wir einmal mehr dazu neigen, die Abhängten, die Frustrierten, als lupenreine Rassisten zu bezeichnen. Falling Down sagt uns nicht, dass wir derlei Rückwärtsgewandtheit gutieren oder akzeptieren sollen, sondern vielmehr die systemische Ursache anerkennen müssen. Oder um es mit Horkheimer zu sagen: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“

Am Ende des Films bleibt Fosters Widerstand ein deprimierender. Verändert wurde nichts, sein Tod ist ein vollkommen sinnloser. Wir leben in einer Zeit, in der blindes Handeln nicht nur vergebens scheint, sondern den Status Quo sogar noch zementiert. Solange uns all unsere Probleme als unsere ganz eigenen erscheinen und wir nicht in der Lage sind die strukturellen Ursachen zu konfrontieren, sind auch auch wir zu einem Dasein zwischen Passivät oder blind-wütendem Widerstand verdammt. Falling Down sagt uns zunächst vor allem erst einmal eines: Don’t Act. Think!