Es gibt kein Außerhalb der Simulation: Cronenbergs „eXistenZ“

Auch wenn Freud in Cronenbergs Werken stets gut sichtbar im Schaufenster ausgestellt ist, seine Werke sind zum Glück auch als Ideologiekritik abseits der Psychoanalyse zu lesen, deren klinischem Obskurantismus ich nur bedingt Sinnvolles abgewinnen kann. eXistenZ weist hinaus auf eine Zukunft (oder Gegenwart?), in der der Mensch vollständig im Simulierten aufgehen kann und will. In der Technik die funktionale und libidinöse Erweiterung des Menschen ist – und umgekehrt (es ist kein Zufall, dass das Gamepad hier aus Fleisch und Blut ist). Wo ist das fetischisierte Smartphone noch groß anders? Ähnlich wie das ebenfalls 1999 erschienene Science-Fiction-Meisterwerk Matrix stellt der Film die Frage nach der Beschaffenheit der Realität und ihrer ideologischen Architektur.

Wo Matrix jedoch mit einer einfachen (zu einfachen?) Dichotomie zwischen ideologischer Simulation und dem Ausbruch aus jener arbeitet, ist Cronenbergs Werk komplexer. Die Essenz des Spiels mit und der Verwischung von Realitäten, Simulationen und Zwischenräumen ist: Ein Außerhalb der Ideologie gibt es nicht. Wo Nozick noch implizit die Entscheidung Teil der Simulation zu werden voraussetzt, denkt eXistenZ mit Baudrillard pessimistischer: Der Mensch hat die Wahlphase längst verpasst, der Cyberkapitalismus greift um sich. Gerade dann, wenn du glaubst, dass du die warenförmige Welt des Disneylands verlässt, betrittst du eigentlich nur das noch viel größere Disneyland.