„Coffy“ oder: Emanzipation im Blaxploitation-Kino. Shotguns gegen das System.

Viel von dem, was Tarantino letztlich perfektionierte, kündigte das Blaxploitation-Kino von Jack Hill bereits an. Coole Charaktere, noch coolere Dialoge, ästhetisierte Gewalt und eine progressive Gesellschaftskritik. Ein unglaublich gut funktionierender Cocktail, serviert von der großartigen Pam Grier mit Schrottfilnte in der Hand und Rasierklingen im Haar.

Die Titelgebende Heldin ist ein wunderbar geschriebener weiblicher Charakter, dem keine zehn Wonder Woman auch nur annährend das Wasser reichen könnten. Als der perfekte Spagat zwischen vor Stärke triefender Coolness und verunsicherter Verletzlichkeit, der sie ist, sagt sie dem System, dass ihre kleine Schwester in die Suchtklinik brachte, den bleitriefenden Kampf an. Nach und nach werden die Respräsentaten einer Ordnung, in der Unternehmer, Polizisten und Politiker gleichermaßen von nichts anderem als Grenzen überwindenden, kapitalistischen Motiven vorangetrieben werden, zur Verantwortung gezogen.

Und richtet Coffy die Schrotflinte zum Abschluss ihrer Rachefeldzuges schließlich auf ihren Freund Harry Brunswick, so könnte die politische Botschaft deutlicher kaum sein: Der korrupte Politiker, ein Mann, der die Systemfrage nicht mehr stellen kann, dessen emanzipatorischer Elan nichts als Fassade ist, der am Ende doch nur dem Kapital hörig ist, muss sterben. Sein Schwarzsein spielt hier keine Rolle, denn die Moral in „Coffy“ ist eine universalistische und keine Frage der Identität. Nicht weiß gegen schwarz, sondern der Kampf gegen die systemische Wurzel des Übels.

In Zeiten, in denen Filme wie Black Panther als emanzipatorsiche Projekte gelten und Kunstwerke mehr und mehr anhand der Ethnizität ihrer Macher beurteilt werden und nicht für das, was sie aussagen, empfehle ich stattdessen den Blick in die Vergangenheit. Übergeht die nächste Marvel-Einheitsware, seht lieber Coffy an.