Booksmart (2019, R: O. Wilde) KRITIK

Zunächst sei Folgendes festzuhalten: Booksmart ist eine schlechte Kopie von Superbad. Und nein, auf die fantastische Tarantino-Remix-Art, die ihren Vorbildern stets ihren Tribut zollt, sie aber nie kopiert, ist dies nicht gemeint. Hauptcharaktere, Setting, Grundnarrativ und teilweise sogar komplette Plot-Points wurden hier 1-zu-1 und ohne Humor oder Augenzwinkern übernommen. Bei einem asiatischen Film könnten an dieser Stelle die guten, alten „Chinesische-Kopie“-Witze präsentiert werden, wären sie nur nicht so verdammt rassistisch. Da Superbad jedoch eine fantastische Komödie ist, könnte eine billige Kopie zumindest einen noch annehmbaren Film ergeben. Booksmart ist dies nicht.

Hier wird wirklich (fast) alles aufgeboten, das der aktuelle „liberale“ Hollywood-Zeitgeist zu bieten hat. Zwischen funktionierenden Unisex-Toiletten, in denen im Grunde genommen alle cool miteinander sind, „Malala“-Codewordes als Insider-Jokes feministischer Freundinnen und Free-Palastine-Flaggen kreiert Olivia Wildes einen auf furchtbar oberflächliche Weise moralisierenden Zeigefinger-Film, der selbst mit seinen fantastisch harmonierenden Hauptdarstellerinnen nichts besseres anzufangen weiß, als den klassischen „typische Jungenrollen mit Frauen besetzen“-Move zu zeigen. Aber hey, die eine ist immerhin auch noch lesbisch, wenngleich diese Tatsache natürlich nicht mehr als ein Plot-Device ist.

Die Ursache dafür, dass man sich hier, trotz eines Films, der scheinbar allerlei strukturelle Tiefpunkte unserer Gegenwart verhandelt, beim Abspann prächtig fühlt, liegt darin, dass derlei „Feelgood-Sozialkritik“ zur Thematisierung tatsächlicher Probleme ein ähnliches Verhältnis hat, wie der Teufel zum Weihwasser. Transgender-Rechte, Rassismus, Sexismus, vor allem auch Kapitalismus – im Leben der priviligierten Yale-Aspirantinnen werden all diese Furchtbarkeiten, die wirklich schmerzen, entweder durch solidarisierende Poster oder Lichtgeschwindigkeits-Dialoge verhandelt, deren Tempo natürlich nur einem Zweck dient: Über das Gesagte soll nicht nachgedacht werden. Sich selbst auf die Schulter klopfen reicht völlig. Am Ende wird das Politische hier stets zum Privaten, zum Konsumierbaren.

Diese furchtbare Selbstgerechtigkeit, dieses Kritisch-sein-ohne-Wehzutun, diese kalkulierten Grenzüberschreitungen. Bitte Hollywood, hört auf pseudoaufgeklärte Pädagogik-Grausamkeiten zu produzieren. Ihr helft niemandem, stabilisiert den Status Quo, verletzt die Kunst im Innersten. Schaut euch Lubitsch an, schaut euch das Blaxploitation-Kino der 70er an. Schreibt gute Frauenrollen, thematisiert die Schattenseiten unseres Daseins. Doch hört hiermit auf! Solange Filme wie Black Panther und Booksmart die Waffen sind, mit denen wir in den Kampf gegen die Ismen dieser Welt ziehen wollen, so bleibt, um die Worte Tocotronics anzurufen, nur eines übrig: Kapitulation.