Tag: 23. Juli 2019

Keanu Reeves‘ Gesicht: „Gefährliche Brandung“, Projektionsflächen und die Alternativlosigkeit

Point Break ist ein wunderbar inszenierter Film, der mit seinem ungewöhnlichen Setting, perfekt besetzten Rollen und großartig gefilmten Actionchoreographien vollkommen zurecht als Genreklassiker verehrt wird. Die Fallschirmsprünge, die Razzia, die Surfszenen – jede Sequenz zeigt vor allem eines: Kathrin Biglow ist eine Meisterin ihres Fachs. Und doch sehen wir noch mehr, als einen gekonnt inszenierten Actionfilm. Point Break ist eine kluge Parabel auf den Platz von Außenseitertum, Subversion und Alternativen in einer Welt der kapitalistischen Normierung.

Mit Johnny Utha wird uns ein Protagonist gezeigt, der Teil des schmalen Spielraums der gesellschafltichen Normalität ist. Niemand könnte jene Rolle besser ausfüllen als Keanu Reves. Ein großer Charakterdarsteller wird er in diesem Leben gewiss nicht mehr, als Projektionsfläche für den Zuschauer ist er hingegen brilliant. Jemand der mitmacht, doch nicht wirklich weiß weshalb. Einer, dessen Herz woanders ist, während der Körper eine Maske trägt.

Doch jene Maske ist brüchig und voller Widersprüche. Die Begegnung mit Bodhi, Respäsentant des Gegenentwurfs, des Nein-Sagens, der Counterculture, hinterlässt Risse in der eigenen Fassade. Mehr und mehr gibt er sein eigenes Schauspiel auf, erkennt die Scharade, die er dabot.

Für Bodhi selbst endet die Geschichte tödlich. In einem System, dass darauf angewiesen ist, einen gesellschaftlichen Normalzustand als alternativlos, vielleicht gar als natürlich darzustellen ist kein Platz für Outlaws. Am Ende bleiben nur zwei Alternativen: Anpassen oder sehenden Auges in den Untergang surfen. Ein richtiges Leben im Falschen gibt es in Point Break nicht.

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