Tag: 30. Juni 2019

A Quite Place (2018, J. Krasinski) KRITIK

A Quite Place – A Bad Film. 3.8 Sternchen im Letterboxd-Mittel? Nein, das scheint mir doch ganz und gar unverständlich. Klar, handwerklich ist das alles solide bis gut. Gute Kameraarbeit, gute Cinematografie, eine wie immer tolle Emily Blunt, bla bla bla. Abgesehen davon, dass man ähnliches über so ziemlich jeden Film eines unüberschaubar großen und stetig wachsenen Mount Everest von mittemäßiger Kinokunst berichten könnte, war „handwerklich gut gemacht“ noch nie ein Kompliment. Und es wird auch nie eines sein. Selbst die feige Kritik, die sich im Normalfall in dem Unwort „interessant“ äußerst, ist da noch Vorzuziehen. Ja, eine leichte Entnervtheit möchte der Verfasser dieser Kritik nicht verleugnen. Doch so sieht es nunmal aus: Mittelmäßigkeit nervt. Mittelmäßige Filme sind schlimmer als schlechte. Und nichts verkörpert Mittelmäßigkeit destillierter als Netflixcore à la A Quite Place – kalkuliert, faul, langweilig, pseudoinnovativ, pseudoprogressiv, konservativ. Geschaffen, um irgendwann in der „Angesagt“-Spalte bei Streamanbieter der Wahl aufzuploppen. Und dabei geht es nicht einmal schlecht los.

Die ersten 10, 15 Minuten A Quite Place machen einiges gut: Welt wird vorgestellt, Charaktere eingeführt. Soweit so in Ordnung. Sobald die freundliche Bilderbuchfamilie jedoch ihre kleine Farm betritt, beginnt der Sinkflug. Zunächst zwei marginale Punkte, die mit einem guten Narrativ, einer innovativen Botschaft, irgendwas noch kompensierbar gewesen wären. Erstens ist es verdammt nochmal faules Writing, wenn die Ausgangslage einfach zu „perfekt“ passt, um die hochdramatische Geschichte, die aus ihr entstehen soll, zu speisen. Musste Emily Blunt wirklich noch schwanger sein? Musste sie wirklich noch schwanger werden, nachdem die Ausgangslage mitsamt dem ganzen Elend doch längst bekannt war? Wirklich? Und zweitens kommt das komplette postapocalyptische Ende-der-Menschheit-Szenario absolut aufgesetzt daher. Wie haben es irgendwelche Alien-Verschnitte geschafft die komplette Menschenheit dahinzuraffen, abgesehen von ein paar gallischen Dörfern? Ich meine, man scheint die Dinger mit einem Schuss in die Fresse umbringen zu könnnen. Wie zur Hölle hätten die einen Staat wie Florida übernehmen sollen, in dem mehr Schusswaffen als menschliche Zähne existieren? Aber geschenkt, derlei Firlefanz hätte ich irgnorieren können.

Wirklich ärgerlich werden sollte man erst ab dem Punkt, an dem man das Narrativ unter die Lupe seiner kognitiven Kapazitäten zerrt. Stellen wird uns als Gedankenspiel einfach einmal vor, unsere Lieblingsfamilie würde nicht in eben jener kaputten Welt leben, sondern in einer anderen: Unserer kaputten Welt. Was würden wir sehen? In gewisser Weise die Persiflage einer realen Famile. Eine Bilderbuch-Familie, die uns ob ihrer klischeehafigkeit in jeder RomCom die Fremdschamesröte ins Gesicht treiben würde. Und die Postapocalypse wirkt auch deshalb aufgesetzt, weil sie hier dazu genutzt wird eine langweilige, konservative, schlecht geschriebene Familie durch Spannung aufzuwerten. Die Welt an sich inklusive des Gimmicks des Schweigens ist im Gunde jedoch vollkommen egal, genau so wie ihre Bewohner. Und zeigt sich der Selbstbezogenheit unserer durch und durch positiv konnotierten Vorzeigefamilie nicht auf die Ideologie unserer Zeit? Bedrohungen projezieren wir stets auf die Anderen. Die, die draußen sind. Wir schotten uns ab, suchen nur noch unserer kleines privaten Glück, kapitulieren vor den großen Zusammenhängen unserer Wirklichkeit. Kurz: Wir suchen das richtige Leben im falschen. Das Falsche an sich zu hinterfragen scheint keine Option mehr zu sein.

Bla, bla, bla, schwafel, schwafel. Was ich eigentlich sagen möchte: Der Film nutzt Jumpscares. Jumpscares sind nichts als billige Taschenspielertricks, die eines meiner Lieblingsgenres in den Ruin treiben. Bekackte Jumpscares.

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