Kurze Anmerkungen zur Sprengkraft des Kinos: Tarantinos „Inglourious Basterds“

Zum Boykott aufrufende Kunstverächter gegen die Fanfaren der Reaktionären, die daraufhin zum Feldzug gegen den Strohmann einer um sich greifenden Political Correctness aufriefen. Einzig interessant an der ansonsten ermüdenden Debatte um Todd Phillips Joker-Verfilmung aus dem letzten Jahr war das Unbewusste, dass den Konflikt begleitete: Die Annahme, dass der Film scheinbar noch immer eine Art von Macht innewohnt. Dass der Zustand der Leinwand, vielleicht der Kunst allgemein immer auch von der Gesundheit einer Gesellschaft spricht. Es ist diese dem Kino innewohnende Macht, die Tarantino rund ein Jahrzehnt zuvor zum Thema von Inglourious Basterds machte. Zum einen ist da ganz direkt die Kraft der Bilder als Machtinstrument im Propaganda-Instrumentarium der Deutschen. Des Kinos, das als Brandbeschleuniger, […]

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Arbeit ist scheiße! „Alles Routine“ und das Unternehmen im Spätkapitalismus

Was ist ein Bullshit Job? In seinem gleichnamigen Essay von 2013 definiert der Ethnologe David Graeber den Begriff noch vergleichsweise generös: Bullshit sind nur diejenigen Jobs, die all die, die ihn selbst ausüben (müssen) als absolut sinnlos empfinden. Denken wir an all die Berater, Koordinatoren und PR-Menschen, deren elitärer Habitus nicht nur beruflichen Sinn, sondern gar Relevanz verspricht, obwohl die Tätigkeiten, denen sie nachgehen meist in 15-minütigen Skype-Konferenzen abgehandelt werden könnten, sehen wir: Die Grenze für Bullshit ist verdammt niedrig gesetzt. Und trotzdem bewegen sich die Protagonisten in Alles Routine mit stoischer Apathie in ihr. Würfelförmige Bullshit-Jobs Sie bevölkern die gleichen Büro-Cubes, die einen in ihrer aufreizenden Gleichförmigkeit in jedem Film unmittelbar an das fukuyamische […]

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„Falling Down“: Warum Idelogiekritik?

Falling Down ist ein unterschätzter Film – handwerklich großartig, inhaltlich brilliant. Wir sehen Michael Douglas in seiner besten Rolle: Ein relativer Durchschnittstyp, kurz vor der Explosion. Irgendetwas stimmt nicht. Seine Familie darf er nicht mehr sehen, in seinem Job wird er nicht wertgeschätzt, die Versprechen des amerikanischen Traums werden schon lange nicht mehr eingelöst. Joel Schuhmacher zeigt uns einen Menschen, der das eigene Abrutschen bemerkt, nicht aber in der Lage ist, die strukturellen Ursachen dafür sehen. Seine Wut schlägt stattdessen stets nach unten aus. In einem der ersten Wegpunkte des Films sehen wir den Protagonisten, William Foster, einen Kiosk betreten. Er möchte Geld wechseln, um seine Tochter anzurufen. Der Ladenbesitzer jedoch verweigert ihm dies. Zuerst […]

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Wider der totalitären Normalität: „Laurence Anyways“ und die Liebe unter dem wachsamen Auge des Bürgertums

Auf Nachfrage von John Searle, warum er denn so überkomplex, wirr, ja unverständlich schreiben würde, wo er doch im Gespräch rede wie jede andere Person, gab Michel Foucault eine erhellende Antwort: Es sei so, dass man in Frankreich intellektuell nicht ernstgenommen würde, wenn einen jeder verstünde. Es wird angenommen, was die Vielen sich erschließen können, das müsse somit auch trivial sein. Der schwarze Schwan Betrachten wir die Welt des Autorinnenfilms drängt sich ein Vergleich auf: Ist es mitunter so, dass wir all die verkopften, spröden Dramen, in denen sich kriselnde Ehepaare in spartanisch eingerichteten Wohnzimmern anschweigen, nur deshalb sehen müssen, weil die Filmschaffenden Angst haben, mit ihren Werken als substanzlos wahrgenommen zu werden? Weil Unterhaltsamkeit, […]

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Vom Verlust der Zeitlichkeit: Vaporwave, „Uncut Gems“ und dass Kino des Exzesses

Vor knapp zehn Jahren erschien ein höchstseltsames Album am Horizont der Indiegemeinde: Eccojams Vol. 1 von einem Künstler mit dem Namen Chuck Pearson. Ein Album, das einen der Grundsteine für ein Genre, das später Vaporwave getauft wurde, legen sollte. Die Songs nicht neu, sondern Pop-Klassiker der 80er-Jahre, doch teilweise ins Unerkenntliche verfremdet. Musik in Zeitlupe, voller Hall, in Einzelteile zerlegt und neuarangiert, elektronisch aufgeladen, in die Länge gezogen wie Platten, die in zu langsamer Geschwindigkeit abgespielt werden. Wo Künstlerinnen wie Amy Winehouse oder Adele nostalgische Musik produzierten, die ohne Probleme auch vor 50 Jahren erscheinen hätte können und maximal durch eine modernere Produktion aufgefallen wäre, schafft Chuck Pearson ein Bewusstsein für eben diesen popkulturellen Stillstand, […]

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